Helden des Mülls

Thailand, das Urlaubsland schlechthin mit seinen weissen Traumstränden, droht im Müll zu versinken. Die Spuren des jahrelangen Fehlmanagements bei der Müllentsorgung werden auch für Touristen immer sichtbarer. Jeden Tag wird auf Koh Lipe in Südthailand in der Andamanensee und den umliegenden Inseln neuer Müll angeschwemmt.

Sie können den Beitrag hier ansehen: arte.tv

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Thailand: Touristen kommen wegen der weissen Sandstrände und dem türkisblauem Wasser

Laut einer Studie, die kürzlich im Science Magazin veröffentlicht wurde verursachen China, Indonesien, die Philippinen, Thailand und Vietnam mehr als die Hälfte des gesamten Plastikmülls der sich in unseren Ozeanen befindet. Thailand ist verantwortlich für 1,03 Millionen Tonnen von Müll. Man schätzt, dass allein in diesem Jahr weltweit 9 Millionen Tonnen Müll im Meer landen.

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Die Trash Heroes sammeln Müll in paradiesischer Kulisse

Die „Trash Heroes“,haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Müll einzusammeln und soweit es geht, zu recyclen.

Jeden Montag starten von Koh Lipe aus Boote, voll mit Touristen und Einheimischen und fahren zu verschiedenen Stränden der Inseln des Marine National Park, um angespülten Müll ein zu sammeln.

Die Idee wurde schliesslich zur festen Instanz, Trash Heroes ist mittlerweile eine Organisation mit Sitz in der Schweiz. Seit Beginn der Aktion im Dezember 2013 haben über 5,000 Freiwillige in Thailand und Indonesien über 100 Tonnen Müll eingesammelt.

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Die erschreckende Ausbeute des etwa 200 Meter langen Strandabschnittes: 60 Säcke Müll (300 kg), 200 kg Seil und eine gelbe Box

Während der Hauptsaison von November bis April nehmen etwa 40 bis 60 Personen, darunter hauptsächlich Touristen zahlreicher Nationen teil. Während der Nebensaison bestehen die Helfer hauptsächlich aus Einheimischen mit etwa 20 Leuten.

Neben den Aufräumaktionen möchte Trash Hero ein Bewusstsein für das Müllproblem durch Aufklärung schaffen. Sie halten Präsentationen an Schulen um die nächste Generation für das Thema zu sensibilisieren. Klassenausflüge zum Müllsammeln werden organisiert. Nicht nur die Umwelt wird verschmutzt, zahlreiche Tiere verenden qualvoll, weil sie Müll fressen. Und letztendlich landen kleinste Plastikpartikel durch die Nahrungskette auch bei uns auf dem Teller und in unserem Körper.

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Kameramann Francisco trotzt dem Gestank: Der eingesammelte Müll landet auf einem Recyclinghof auf Koh Lipe

Das wichtigste ist deswegen für Trash Hero die Müllvermeidung. Es gibt Stahlflaschen für sechs Euro zu kaufen, die man sich an zahlreichen Stationen auf der Insel gratis auffüllen kann. Viele Hotels und Guesthäuser unterstützen die Aktion, auch wenn sie dadurch weniger Einnahmen durch den Verkauf von Plastikflaschen haben. Eine ähnliche Idee ist gerade erst gestartet: Die Hotels befestigen am Schlüssel/Keycard einen faltbaren Stoffbeutel, so dass die Gäste gar nicht erst auf Plastiktüten angewiesen sind, wenn sie Einkäufe tätigen.

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Die Trash Heroes gehen in Schulen, um die jungen Thais über das Müllproblem aufzuklären.

Die Idee breitet sich gerade aus. Es gibt mittlerweile zwölf Ableger von Trash Hero in anderen Touristengebieten, wie Krabi, Hua Hin, Koh Lanta und sogar in Indonesien.

Auch über Spenden versuchen die Müllsammler noch mehr Wirkung zu erzielen. Wer 1 Euro spendet sorgt dafür, dass dafür 1 Kilo Müll abtransportiert wird.

Für mehr Informationen und Spenden: trashhero.org

 

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So idyllisch kann ein Strand ohne Müll sein: Sonnenuntergang auf Koh Lipe

 

 

Die Stadt der Affen

Die Affen sitzen auf Strommasten, auf dem Gehweg oder auf geparkten Motorrädern. Affen, die Getränke aus Plastikflaschen schlürfen, die mit den Überresten einer Brille spielen, oder gerade dabei sind einem unachtsamen Touristen die Kekse zu klauen. Affen gibt es überall in Lopburi.

Opfer der Affenplage: Unser Tonmann Michael

Opfer der Affenplage: Unser Tonmann Michael

Eine Horde von der haarigen Klettertiere überquert die Hauptstraße gegenüber des Tempels Phrang Sam Yot, der ihr Hauptwohnsitz ist. Die Autos bleiben ungeduldig stehen, doch niemand regt sich wirklich darüber auf. Die Affen gehören zu Lopburi, sie waren schon immer da. Schon zu Zeiten als die Khmer Lopburi regierten und rund um dem Tempel Urwald anstatt Beton spross, waren die Affen da – und sie sind bis heute geblieben.

Wer regiert die Straße – Affe oder Mensch?

Hier haben die Affen das Sagen: Javaneraffe auf einem Halteverbotsschild

Hier haben die Affen das Sagen: Javaneraffe auf einem Halteverbotsschild

An die 4,000 Javaneraffen bevölkern Lopburis Altstadt, täglich werden es mehr. Einst gab es eine Initiative der Stadtverwaltung die Affen zu kastrieren und so deren Fortpflanzung in Zaum zu halten. Man errichtete sogar ein Affenkrankenhaus,  wahrscheinlich das einzige auf der Welt, dass im Jahre 2003 durchweg für positive Schlagzeilen sorgte. Dort kastrierte man die Tiere und verarztete sie, wenn sie einen Verkehrsunfall hatten. Doch das alles ist Geschichte. Das Geld ist weg und so tummeln sich niedliche Affenbabies rund um die alte Tempelanlage und versetztenTouristen aus aller Welt in Verzückung. Und was die Autos angeht, so gibt es einen Polizisten, der den Affen hilft über die Straße zu gehen.

Verkehrte Welt? Sollte der Polizist nicht die Anwohner und ihr Hab und Gut schützen?

Bewohner wappnen sich mit Stöcken

Affenbabies suchen Essbares auf Lopburis Straßen

Affenbabies suchen Essbares auf Lopburis Straßen

Nur allzu gerne knabbern die Affen Autospiegel an, missbrauchen den Gehweg als Toilette oder stehlen essbare, wie nicht essbare Waren. Fast alle Geschäfte gegenüber des Tempels haben geschlossen oder sind weggezogen. Niemand möchte dort wohnen, denn diese Häuserzeile stehtlängst unter der Herrschaft der Affen. Sie tummeln sich auf den Häusern und schmeissen ihre Essensreste auf den Gehweg. In Lopburi muss man deshalb immer auf der Hut sein. Es könnte sein, dass man angesprungen wird oder im schlimmeren Fall andere Überraschungen von oben runterkommen.
Die wenigen Leute, die geblieben sind, haben sich vorbereitet. Gegen Diebstahl werden die Waren mit Netzen geschützt. Jeder Geschäftsinhaber besitzt einen Stock, griffbereit, um die Affen zu vertreiben. Etwas ausgefeilter sind Schreckschusspistolen, Steinschleudern und Militärstiefel – natürlich nur zur Abschreckung. Richtig wehtun möchte man den Affen im buddhistischen Thailand natürlich nicht.

Affengeiler Touri-Spaß

Wat Phrang Sam Yot: Die Affenhochburg

Wat Phrang Sam Yot: Die Affenhochburg

Dies ist im Sinne der Touristen, die finden das Affentheater meist aufregend und unterhaltsam.  „Affen kenne ich sonst nur aus dem Zoo. Sie in freier Wildbahn zu sehen, ist etwas besonderes“, sagte eine chinesische Touristin, deren Haare gerade von einem kleinen Affen malträtiert werden. Auch ein junger Brite ist angetan und zeigt stolz sein T-Shirt, dass mit zahlreichen Abdrücken von Affenfüssen und -händen verziert wurde. „Das ist geil! Manchmal kommen sie auf deine Schulter und fangen an, in den Haaren zu wühlen. Da hab ich schon geschrien. Aber es macht Spaß!“
Weniger begeistert ist eine deutsche Touristen, die von zwei Affen gleichzeitig angesprungen wird. „Das ist schon eklig und tut weh, wenn die sich so festkrallen. Ausserdem stinken die wie was!“

Affentheater auf der Tempelruine Phrang Sam Yot

Affentheater auf der Tempelruine Phrang Sam Yot

Trotzdem kommen die meisten Besucher in erster Linie, um die Affen zu sehen und nicht die einst prächtigen Tempelanlagen. Die Menschen in Lopburi wissen das, und so wird jedes Jahr im November ein grosses Buffet für die Affen veranstaltet.  Ob man die Affen mag oder nicht, sie sind zusammen mit dem Wat Phra Phrang Sam Yot das Wahrzeichen Lopburis.