Bangkoks Schatztaucher

Im Chao Phraya in Bangkok suchen Flusstaucher mit selbst gebauter Tauchausrüstung nach antiquarischen Schätzen.

Hier Teaser anschauen: http://www.geo.de/GEO/geo-tv/bangkoks-schatztaucher-77422.html

Wie eine riesige Schlange windet sich der Chao Phraya-Fluss durch Bangkok, an seinen Ufern liegen die historischen Viertel der Hauptstadt mit ihren Tempeln und Palästen. Die Wasserader ist das Revier der Flusstaucher, die mit selbst gebauter Tauchausrüstung unter Wasser nach antiquarischen Schätzen suchen.

Somchai taucht vor stimmungsvoller Kulisse nach Schätzen in Bangkoks Chao Praya Fluss

Somchai taucht vor stimmungsvoller Kulisse nach Schätzen in Bangkoks Chao Praya Fluss

In Blickweite der glitzernden Bürotürme und Luxushotels der thailändischen Hauptstadt leben Bangkoks Flusstaucher in einer ländlichen Oase. Sie wohnen mit ihren Familien auf der Halbinsel Pra Pradaeng – dort, wo der mächtige Chao Phraya eine Schleife mitten durch die Stadt zieht. An seinen Ufern ließen sich schon vor Jahrhunderten Könige, europäische Handelshäuser und asiatische Zuwanderer nieder. Und so ist der Fluss heute eine unergründliche Schatztruhe. Zum Ende der Regenzeit, im Oktober, können die Taucher es wieder wagen, auf dem Grund des Chao Phraya nach Wertvollem zu suchen. Davor ist die Arbeit unter Wasser zu gefährlich, die Strömung ist zu stark und oft unberechenbar. 360° – GEO Reportage war bei aufregenden Tauchgängen mit an Bord.

Im schlammigen Bett von Thailands „Fluss der Könige“, dem Chao Phraya, liegen noch viele Schätze verborgen, da ist sich der Taucher Somchai Panthong sicher. Der 50jährige lebt davon, mitten in Bangkok Fundstücke aller Art – von Antiquitäten bis Altmetall – aus dem Fluss zu holen und zu verkaufen. Zusammen mit seinem Neffen Tding sucht er nach dem, was Händler, Mönche und Kriegsherren im Laufe der Jahrhunderte im Chao Phraya versenkt, verloren und versteckt haben. Tauchen können Somchai und Tding überall, wo Strömung und Wasserstand es zulassen. Ihr Revier erstreckt sich vom Norden Bangkoks über das Zentrum bis hin zum Hafen im Südwesten. Zum Ende der Regenzeit müssen sie sich allerdings auf geschützte Tauchstellen mit wenig Strömung beschränken – sonst riskieren sie ihr Leben. Doch auch die vielen Schiffe auf dem Chao Phraya, der eine von Bangkoks Hauptverkehrsadern ist, können den Tauchern gefährlich werden. Um sich mit ihrem kleinen Boot und dem selbstgebauten Equipment bemerkbar zu machen, hissen die Männer eine Flagge. Somchai Panthong braucht nun viel Glück, denn zu Beginn der Tauchsaison ist sein erspartes Geld weitgehend aufgebraucht. Was werden die wagemutigen Schatzsucher finden.

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Die schwarze Magie des Goldenen Fötus

Mitte Mai 2012 fand die Polizei in Bangkok sechs geröstete und vergoldete Embryos, die ein Brite taiwanesischer Herkunft in einem Hotelzimmer in Chinatown aufbewahrte. Der 28-jährige Chow Hok Kuen erklärte, er wollte die Föten als magische Glücksbringer in Taiwan an Geschäftsleute verkaufen.

Zwei der sechs goldenen Föten, die Chow Hok Kuen nach Taiwan schmuggeln wollte

Zwei der sechs goldenen Föten, die Chow Hok Kuen nach Taiwan schmuggeln wollte

Was für Europäer wie der Plot eines Horrorfilms klingt, ist in manchen Teilen Asiens ein weit verbreiteter Glaube, wie zum Beispiel in Thailand, wo die Föten nicht nur gefunden wurden, sondern mutmasslich auch her stammen.

Die Wurzeln dieses Glaubens liegen in der thailändischen Sage namens „Khan Chan Khan Phasen“, in der ein toter Embryo dem Protagonisten übernatürliche Kräfte verleiht und ihn beschützt.

Unser Reporter Alexander Grawe machte sich auf den Weg, einen Experten zu suchen. Und wo könnte man jemand besseren finden als auf dem Amulettmarkt in Bangkok?

Supachai Ruangsangamsiri ist Spezialist für Amulette und Buddhastatuen

Herr Supachai Ruangsangamsiri ist ein wahrer Fachmann auf dem Gebiet der Amulette. Er hat natürlich schon einige „Guman Thong“ – so heissen die goldenen Föten auf Thai – bereit gestellt. Als wir eintreffen sind wir jedoch etwas überrascht, diese sehen gar nicht wie gespenstische tote Embryos aus, sie sehen eigentlich aus wie Buddha-Statuen, nur dass der Buddha den Körper eines Kleinkindes hat, und sie sind aus Stein, Ton, Metall oder Holz und nicht aus Fleisch.
Etwas enttäuscht sind wir schon. Aber Herr Ruangsangamsiri klärt uns auf: Dies sind die normalen „Guman Thong“, die aus echten Embryos benützt man ausschliesslich für schwarze Magie, und damit will man hier nichts zu tun haben.

Guman Thong Statuen sehen auf den ersten Blick aus wie Buddha-Statuen

Allerdings haben wir doch noch einen schönen Fund gemacht:

Täuschend echt: Nachgebildeter Fötus in Öl

Und diese sollen im Prinzip dieselbe Wirkung haben, wie echte „Guman Thong“: Glück, Reichtum und Schutz – was will man mehr?

Tha Prachan, der Amulett-Markt in Bangkok